October 2020
September 2020
August 2020
June 2020
May 2020
April 2020
March 2020
February 2020
June 2019
May 2019
April 2019
January 2019
December 2018
November 2018

Schulen schließen: sofort!

SARS-CoV-2 ist ein Krankheitserreger der höchsten Kategorie 4 (von 4) der WHO. In Europa erleben wir gerade die zweite Welle einer Pandemie durch SARS-CoV-2. Auch in Deutschland steigen die Infektionszahlen exponentiell an.

SARS-CoV-2 verbreitet sich durch Tröpfchen beim Spucken, durch Aerosole beim Atmen und als Schmierinfektion. Sperrstunden und Reisebeschränkungen werden verfügt. Im Krankenhaus traten in den letzten Wochen drastische Besuchsbeschränkungen in Kraft. Der Landrat des Wetteraukreises hat Mitte Oktober per Allgemeinverfügung angeordnet, dass sogar während des Unterrichts in Schulen Masken zu tragen sind. Die Bundeskanzlerin hat mehrfach die Verantwortung jedes Einzelnen betont.

Zum Vergleich: HIV als Erreger von AIDS gehört nur in Kategorie 3, weil es eine spezifische Therapie von AIDS gibt. Läuse sind der Kategorie 1 zuzuordnen. In Schulen gibt es immer wieder einmal Läusebefall.

Jedes Kind einer Klasse muss untersucht werden, wenn auch nur ein einziges Kind der Lerngruppe Läuse aufweist. Unter Preisgabe persönlicher Daten muss zu jedem Schüler nach eingehender Untersuchung schriftlich versichert werden, er oder sie sei läusefrei.

Für das Gesundheitsamt des Wetteraukreises rangiert CoVID-19, die tödliche Krankheit, welche bei etwa 20% aller Infizierten durch SARS-CoV-2 hervorgerufen wird, seinem Verhalten nach unterhalb eines Läusebefalls.

Überhaupt nur Kinder in Spuckweite eines PCR-positiven Schülers erhalten eine Auflage: Quarantäne. Sie selbst werden nicht einmal einem eigenen Corona-Test unterzogen, geschweige denn wird die ganze Lerngruppe untersucht. Es gibt auch keine weiteren Untersuchungen. Alle weiteren Schüler und ihre Lehrer haben weiter die Schule zu besuchen, als sei nichts geschehen.

Raten Sie einmal, was mit einer Kirchengemeinde oder einem Sportverein oder einem Altenheim in dieser Situation geschieht.

Ich selbst wurde am 25.10.2020 über einen solchen Fall in einer Schule in Friedberg informiert, für die ich besondere Verantwortung trage.

Ich bat Dr. Reinhold Merbs, den Leiter des Gesundheitsamts des Wetteraukreises in einer e-Mail dringend um Aufklärung.

  • Nach welchen Kriterien untersuchen Sie Mitschüler von Schülern mit positivem PCR-Test auf SARS-CoV-2?
  • Nach welchen Kriterien isolieren Sie?
  • Wann sprechen Sie welche Quarantäneanordnung aus?
  • Unter welchen Umständen und nach welchen Kriterien ordnen Sie Distanzunterricht an?
  • Aus welchem Grund gehen Sie implizit nicht von Aerosolen als Infektionsweg von SARS-CoV-2 in der Schule aus?
  • Was ist Ihr Standard-Kommunikationsprotokoll bei SARS-CoV-2-Nachweis in einer Schule?
  • Welchen Verantwortlichen erreicht man als Mitglied der Schulkonferenz oder der Schulleitung im Ereignisfall am Abend oder am Wochenende (wenn der Unterricht vorbereitet werden muss) und wie?

Angesichts der erheblichen Zweifel in der Elternschaft und bereits umgehender, schädlicher Gerüchte, bat ich ihn höflichst um eine sehr zeitnahe Antwort. In dieser Krise brauchen wir Klarheit, eine wissenschaftliche Basis, Eindeutigkeit und Transparenz.

Nichts geschah.


Am 26.10.2020 um 16.35 Uhr rief ich deshalb den Leiter des Kreisgesundheitsamts in seinem Büro an. Die Sprechzeit sei beendet, erläuterte mir sein Anrufbeantworter. Man sei montags bis donnerstags von 07.30 Uhr bis 16.00 Uhr und freitags von 07.30 Uhr bis 13.00 Uhr zu erreichen. Gerne könne man eine e-Mail schreiben.

Um 16.45 Uhr schrieb ich ihm eine SMS, in der ich angesichts der Vielzahl inzwischen vorliegender Eltern-Anfragen um eine kurzfristige Beantwortung meiner e-Mail vom 25.10.2020 bat. Diese SMS wurde von Dr. Merbs um 16.46 Uhr als gelesen quittiert.

Mehr hörte ich nicht.

Mit dem Schulleiter der betroffenen Schule hatte ich während des Sonntags (25.10.2020) mehrfach Kontakt. Er arbeitete.

Eigentlich mag ich selbst Vergleiche wie den folgenden nicht. Stellen Sie sich bitte trotzdem kurz vor, es sei Krieg und der für Ihre Region zuständige General hätte Dienstschluss nach 16.00 Uhr und am Wochenende sei er nicht verfügbar.

Wir jedenfalls befinden uns in einer Pandemie. Die Amtsärzte sind den Schulleitern gegenüber weisungsbefugt. Wo sind unsere Amtsärzte, wenn man sie braucht?

Unsere Schulen sind ohne jeden technischen Schutz vor Corona. Fetzen aus Stoff vor dem Gesicht sind für unsere Schüler und unsere Lehrer der einzige Schutz vor einer Infektion. Gleichzeitig hält das Gesundheitsamt Corona anscheinend für unbedeutender als Läusebefall.

Unter diesen Umständen ist der reguläre Betrieb unserer Schulen nicht mehr zu verantworten. Schulen müssen unverzüglich geschlossen werden!

Kontrollverlust

  • Die Gesundheitsämter Deutschlands haben fast flächendeckend die Kontrolle über den Infektionsverlauf von SARS-CoV-2 verloren. Das war zu erwarten. Die deutsche Methodik der Kontaktverfolgung war von Anfang an untauglich zur Bewältigung einer exponentiellen Virus-Ausbreitung.
  • Wir befinden uns in der Phase der Schadensbegrenzung. Unsere Bundesregierung und die Landesregierungen haben hiergegen keine Strategie. Aus diesem Grund ist zu befürchten, dass wir Anfang Dezember 2020 in die Phase der Dekompensation übergehen.
  • Vier kapitale Fehler wurden gemacht:
  • Anstelle einer biologisch-technischen Strategie setzte die Bundesregierung im Frühjahr auf ein philosophisch-soziologisches Abwehrkonzept ("Hammer and Dance"). Ziellos wurde das öffentliche Leben zum Stillstand gebracht. Grundrechte wurden verletzt, Gesetze gebrochen, die Solidarität der Gesellschaft wurde zerstört.
  • Es wurde mit Lügen und Halbwahrheiten regiert. Nicht der Schutz der Gesundheit, sondern der Schutz der Reputation führender Politiker stand im Mittelpunkt. Statt Schulen und Universitäten so umzugestalten, dass sie Pandemie-tauglich werden, erließ man Pseudo-Hygiene-Verordnungen im Drei-Tages-Takt.
  • Als sich im Volk Widerstand regte, als sich vernünftige Bürger, Querdenker, Esoteriker, Spinner und Radikale organisierten, warf man sie alle in einen Topf. Sinnvolle Kommunikation fand fast gar nicht mehr statt. Wo man Gemeinschaft gebraucht hätte, spaltete man. Verbriefte Grundrechte blieben verweigert, aber ein zusätzliches Pseudo-Grundrecht wurde eingeführt: das vermeintliche Menschenrecht auf Pauschalurlaub im Sommer 2020. Dies war Fehler 3. Er führte zum inneneuropäischen Infektionszahlausgleich.
  • Statt jetzt Schulen zu schließen und den öffentlichen Nahverkehr zu drosseln, pferchte man Lehrer und Schüler ohne jeden technischen Schutz in Massen-Lehranstalten. Nicht einmal den Infektionsverlauf nach den Sommerferien wartete man ab. Das war Fehler 4.
  • Selbstbetrug ersetzte Selbstkritik. Wer sich in einer Kirche oder auf einer Feier infizierte, konnte seine Kontakte benennen. Wer im Schulbus fuhr, konnte das nicht. Also behauptete man beim Robert-Koch-Institut, private Feiern seien das Problem, ungeschützte Schulen wären es nicht. Was ich nicht nachweisen kann, gibt es nicht? Erst Anfang Oktober 2020 machte der Hessische Kultusminister einen Teilrückzug. Ab sofort durften Schüler ab Klasse 8 im Schnitt ein Viertel ihres Unterrichts zu Hause wahrnehmen. Erst Mitte Oktober zogen die Landräte die Notbremse. Jetzt plötzlich mussten Schülergesichter auch im bisher als ungefährlich geltenden Unterricht Maske tragen.
  • Deutschland war mit Glück und trotz schlechter Regierung durch die erste Phase der Pandemie gekommen. Jetzt wird es ernst. Dank des Regierungsversagens während der ersten Welle und dank des Kommunikationsdesasters auch in großen Teile der Medien, glaubt ausgerechnet jetzt, zu Beginn der zweiten Welle, gut die Hälfte der Bevölkerung gar nichts mehr.
  • Achten Sie ab jetzt nicht mehr auf die täglichen Zahlen positiver Corona-Tests. Achten Sie auch nicht auf die Belegung der Intensivbetten. Beides nutzt Ihnen nicht. Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Nehmen Sie ein altes Mathebuch, Kapitel Exponentialfunktion.
  • Bleiben Sie, wann immer es möglich ist, in diesem Winter zu Hause. Benutzen Sie nicht den ÖPNV. Fliegen Sie nicht.
  • Weder "Alltags"masken noch Visiere noch OP-Masken schützen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2.

Schulen als Katalysatoren der Pandemie

  • Hunderte von Schülern Schulter an Schulter im öffentlichen Nahverkehr, drangvolle Enge in den Schulen, keinerlei technischer Schutz: das ist bislang die Realität im deutschen Schulsystem. Die Schule war der wesentliche Katalysator der Corona-Welle 2 in Deutschland.
  • Nun lenkt Hessens Kultusminister ein. Für die Dauer der Corona-Pandemie kann der Präsenzunterricht an beruflichen Schulen, in der Sekundarstufe II sowie in besonderen Fällen auch in den Klassenstufen 8 bis 10 der allgemein bildenden Schulen auf Basis des Hessischen Schulgesetzes durch digital-gestützten Distanzunterricht ersetzt werden. Dabei gilt eine Obergrenze von 25 Prozent der Unterrichtsstunden und für die Berufsschule von 50 Prozent.
  • Der digital-gestützte Distanzunterricht wird auf freiwilliger Basis eingerichtet und setzt die Zustimmung der schulischen Gremien und des Schulträgers sowie eine entsprechende technische Ausstattung der Schulen und ihrer Schülerinnen und Schüler voraus. Sind alle diese Anforderungen erfüllt, prüft und genehmigt das Kultusministerium die Anträge.
  • Sie sind spät, Herr Kultusminister! Hoffentlich gelingt die Korrektur Ihres Fehlers noch. Auf die Schulkonferenzen Hessens kommt jetzt viel Arbeit zu.

Welle zwei in Sicht

  • In einigen Jahren wird man feststellen, dass es falsch war, während der Pandemie in Deutschland am Fetisch des Präsenzunterrichts in Schulen festzuhalten, wie ihn Pestalozzi vor fast drei Jahrhunderten erfand.
  • Am Ende der Sommerferien 2020 sagte ich voraus, dass es Ende Oktober in Deutschland erste Probleme mit SARS-CoV-2 geben würde. Meine Hypothese lautete: Durch das Festhalten am herkömmlichen Schulbetrieb und der damit einhergehenden, gemeinsamen Nutzung des ÖPNV durch tausende Schüler verschiedener Schulen wird deutschlandweit eine Vielzahl nicht erkennbarer Cluster an Infizierten erzeugt. Leider kommt es jetzt anscheinend genau so.
  • Ende Oktober wird fast kein Gesundheitsamt mehr in der Lage sein, den Infektionsverlauf in seinem Sprengel zu kontrollieren. Dies hat dann nichts mehr mit der bekannten Untauglichkeit des praktizierten Verfahrens oder mit einem Mangel an Personal zu tun. Das Problem wird erkenntnistheoretisch und mathematisch sein.
  • Ich empfehle allen Patienten, ab jetzt wieder einen Vorrat an Dauermedikamenten für 180 Tage anzulegen. Ergänzen Sie auch Ihre übrigen Vorräte auf das Niveau von Februar 2020.

Welle zwei

  • Europa steht am Beginn der zweiten Infektionswelle durch SARS-CoV-2.
  • Deutschland hat eine derartige Welle nie erlebt. Wir sahen - um im Bilde zu bleiben - im Frühjahr 2020 einen minimal erhöhten Wasserstand.
  • Achten Sie nicht zu sehr auf die Zahlen positiver PCR-Tests. Ein positiver PCR-Test indiziert nicht immer eine Infektion. Gerade in Deutschland erlebten wir in den letzten Wochen das Phänomen falscher Positivität. Patienten mit einem positiven PCR-Test waren zumeist gar nicht infiziert. Das wird sich ändern. Die Prävalenz in Deutschland ändert sich.
  • Deutschlands weiterführende Schulen ohne Schutz durch Technik (UV-Strahler, Klimaanlagen, Kohlendioxid-Warnsysteme) zu betreiben, war und ist fahrlässig. Längst gibt es Anzeichen vieler Cluster aus diesem Bereich. In absoluten Zahlen ist der Anteil der Infizierten unter allen Menschen in Deutschland zum Glück noch immer sehr gering.
  • Woran erkennen wir, ob die zweite Welle uns gerade trifft? Vielleicht haben wir Glück und auch sie geht wieder an uns vorbei. Achten Sie in den kommenden Wochen auf die Anzahl stationär behandelter CoVID-19-Patienten, insbesondere in der Intensivmedizin. Die "PCR-Teststrategie" Deutschlands mag den Behörden helfen. Ihnen und uns persönlich hilft sie nicht.

Gefährden die Kultusminister Deutschland?

  • Ab Montag öffnen auch in Hessen wieder alle Schulen, als sei die Corona-Pandemie vorbei. Abstandsgebote sind außer Kraft gesetzt. Von angemessener Durchlüftung kann in fast keinem Klassenraum die Rede sein. Kinder und Lehrer werden durch unangemessene Masken-Verwendung auch gesundheitlich gefährdet, wo SARS-CoV-2 sie nicht erreicht.
  • Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren sind in Bezug auf SARS-CoV-2 infektiöser als Menschen in anderen Altersgruppen.
  • Bildung wird Nebensache sein. Alles dreht sich nur noch um die Pandemie. Wann wird meine Schule wieder schließen? Bin ich schuld an den Corona-Fällen meiner Schule? Warum soll ich in der Bahn Abstand halten, wenn er in der Schule nicht notwendig ist?
  • Dummheit und Faulheit und Scheu vor Verantwortung, wohin man in der Ministerriege blickt? Es lief nämlich gar nicht schlecht, als der "Lockdown" begann. Lehrer entwickelten ungeheuere Kreativität. Die meisten Schüler waren sogar produktiver als zuvor. Klar gab es Lehrerversagen. Klar gab es Schüler, die gar nichts lernten. Gibt es diese Phänomene sonst wirklich nie?
  • Die Kultusminister hatten die Aufgabe, das Bildungssystem pandemiefest zu machen, krisensicher. Nichts dergleichen haben sie getan. Nun werden Angst und Unsicherheit den Schulalltag prägen. Die Infektionszahlen werden dramatisch steigen. Viele heute nur leicht erkrankte Schüler erwartet vielleicht ein kurzes Leben. Sie fielen dem Gesundheitswesen 2020 nicht zur Last. Aber das vorzeitige Altern nach CoVID-19 hielt niemand mehr auf.
  • 79 Jahre wird man derzeit in Deutschland durchschnittlich alt. Vielleicht erinnert sich eines Tages ein CoVID-19-Schüler an diesen Blog, falls er entdeckt, dass das Durchschnittsalter in Deutschland im Jahr 2070 auf 60 Jahre gesunken ist.
  • Die Kultusminister spielen mit der Zukunft der Kinder. Und sie setzen fahrlässig die Gesundheit aller Menschen in Deutschland aufs Spiel.

Ist Corona vorbei?

  • Nach den Sommerferien findet in Hessen wieder der aus dem 19. Jahrhundert bekannte Schulunterricht statt. Mit der "Hygiene"-Verordnung vom 24.07.2020 hat das Hessische Kultusministerium alle vormaligen CoVID-19-"Risikogruppen" abgeschafft. Ohne den andernorts stets geforderten Mindestabstand sollen ausnahmslos alle Schüler und ausnahmslos alle Lehrer wieder nach dem Modell von Pestalozzi in den Schulgebäuden sein. Nur Schwangere können hierauf nicht verpflichtet werden.
  • Immer klarer wird indessen, dass Zwölf- bis Achtzehnjährige sogar infektiöser sind als Erwachsene oder Kinder.
  • Warum unter diesen Umständen keine Partys und keine Fußball-Events und keine Demonstrationen stattfinden dürfen, ist den meisten Deutschen längst nicht mehr zu vermitteln. Behelfsmasken werden mehrfach und an allen nur möglichen Positionen im Gesicht getragen. Die Nase ragt als "Coronazinken" meist darüber hinaus. Verkäufer tragen in der Regel gar keine Maske mehr. Ein Plexiglasschild vor dem Gesicht genügt.
  • Während der Sommerferien erleben wir eine Art Europäischen Infektionszahlausgleich.
  • Pandemievorsorge auf politischer Ebene findet nicht statt.
  • Wenn kein Wunder geschieht, steht uns ein bitterer Herbst bevor. Eine "zweite Welle" erwartet uns nicht. In Deutschland gab es bislang noch gar keine erste Welle, wie etwa in Italien, in Frankreich, in Spanien oder in Großbritannien. Deutschland erlebt den Pandemie-Teil von Corona im Herbst 2020 im Grunde zum ersten Mal. Ohne Reserven, ohne Plan.

Kinder und Covid-2019

  • Kinder sind von CoVID-2019 genauso betroffen wie Erwachsene. Das Bild der Ersterkrankung sieht bei ihnen aber anders aus.
  • Es gibt auch ein Folgeproblem.
  • Ist es also richtig, Schulen und Kindergärten wieder zu öffnen? Lesen Sie und urteilen Sie selbst. Oder urteilen Sie nicht. Die Datenbasis zur Meinungsbildung ist dünn. Das war sie für unsere Kollegen in Wuhan im Dezember 2019 allerdings auch.

Kein Experiment mit Viertklässlern in Hessen

Die Schulpflicht für Viertklässler in Hessen wurde am Freitag vorläufig außer Kraft gesetzt. Das ging aus einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel hervor. Die Richter gaben dem Eilantrag einer Schülerin aus Frankfurt Recht, der sich gegen eine Landesverordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie richtete. Die Viertklässler würden im Vergleich zu Schülern, denen aus Gründen des Infektionsschutzes der Schulbesuch bis zum 3. Mai weiter untersagt werde, ohne hinreichenden Grund ungleich behandelt und somit in einem Grundrecht verletzt. Die Entscheidung gilt für Schüler der 4. Jahrgangsstufe der Grundschulen, von Sprachheilschulen und von Schulen mit den Förderschwerpunkten Sehen oder Hören. Der Beschluss ist unanfechtbar. (Aktenzeichen: 8 B 1097/20.N)

CoVID-2019 und Sport

  • Es gibt immer mehr Berichte zu scheinbar nur leicht von CoVID-2019 Betroffenen, die in Wirklichkeit schwere Lungenschäden erlitten haben. Sie hatten etwa zwei Wochen lang Husten, etwas Druck auf der Brust, nicht wirklich Luftnot. In anderem Zusammenhang angefertigte Röntgenbilder des Thorax zeigten trotzdem ein großes Problem. Außerdem treffen immer mehr Berichte zu Patienten ein, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 ausgerechnet Sauerstoff schlecht tolerieren.
  • Alle Leistungssportler unter meinen Patienten sollten dies zum Anlass nehmen, sich gründlich untersuchen zu lassen, bevor sie ihr Training wieder aufnehmen.
  • Allen Tauchern unter meinen Patienten rate ich, sich bei mir einer außerplanmäßigen Tauchtauglichkeitsuntersuchung zu unterziehen, bevor sie mit Druckluft absteigen. Verlassen Sie sich nicht auf ihre noch gültige Bescheinigung!
  • Radsportler und Jogger sollten mindestens 30 m Abstand zu anderen Joggern oder Radfahrern einhalten.
  • Schulsport und Vereinssport während der Pandemie gehen mit erheblichem Ansteckungsrisiko einher.
  • Für detaillierte Beratungen und individuelle Risikoanalysen vereinbaren Sie bitte einen Termin.

Kein Lob der Politik

  • Wir müssen in Deutschland entweder versuchen, aus der aktuellen Phase der Schadensbegrenzung in die Phase der Kontrolle der Epidemie zurückzukehren oder wir müssen vorgehen nach dem Motto "Augen zu und durch". Alle Grundrechte aufzugeben, die Wirtschaft zu ruinieren, jedes normale gesellschaftliche Leben zu opfern und jegliches Handeln in den nächsten Jahren immer nur an der Zahl freier Intensivbetten auszurichten, ist unmenschlich und es ist unsinnig zugleich.
  • Die Pandemie wird erst enden, wenn 60-70% aller Menschen immun sind gegen SARS-CoV-2. Auf "Herdenimmunität" zu setzen und gleichzeitig die Geschwindigkeit der Neuinfektionen zu bremsen, erfordert bestenfalls fünf, vermutlich aber 78 Jahre Zeit! Auf Impfstoffe zu setzen, erfordert bestenfalls zwei, vermutlich aber bis zu fünf Jahre Zeit. Das schaffen wir nicht, wenn wir weitermachen wie in den letzten vier Wochen.
  • Also Augen zu und durch? In etwa acht Monaten wäre die Pandemie zu Ende. Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland wären tot.
  • Oder zurück zur Phase, in der die Epidemie noch kontrollierbar war? Das geht nur, wenn wir Deutschland ab jetzt für etwa zwei Monate fast total still stehen lassen. In dieser Zeit muss ein echtes Virus-Kontrollsystem aufgebaut werden. Die CovID-2019-Versorgung muss vom übergroßen Rest der Medizin abgetrennt werden. Wir fangen danach einfach nochmal von vorne, sozusagen in einem zweiten Februar 2020 an, jetzt aber cleverer.
  • Keinesfalls dürfen jetzt wieder Schulen für Pseudounterricht geöffnet werden. Keinesfalls stecke man Kinder und Jugendliche jetzt wieder in den öffentlichen Nahverkehr. Das ist auch unnötig. Die Pandemie wird noch Jahre dauern. Man baue das Schulsystem jetzt bitte pandemie-resistent um. Das Schulsystem alter Prägung hat ausgedient.
  • Für die Handlungen und die Planlosigkeit von Bundesregierung und Hessischer Landesregierung gibt es angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse keine Rechtfertigung mehr. Wir können nicht weitermachen wie bisher.

Halten Sie Abstand. Schützen Sie sich!

  • SARS-CoV-2 ist in Deutschland schon so weit verbreitet, dass es in diesen Tagen schwer ist, einer Infektion zu entgehen.
  • Fehler 1: offene Schulen und Kindergärten in den ersten Wochen des März
  • Fehler 2: Personal wird in unseren Krankenhäusern teilweise ohne ausreichenden Schutz zu CoVID-2019-Patienten geschickt.
  • Warum sollten Sie trotzdem zu Hause bleiben? - Die Antwort ist ernüchternd. Es ist schlicht kein Platz auf der Intensivstation. Bedenken Sie das auch beim Motorradfahren. Dies ist nicht die Zeit für das sonst übliche Risiko.
  • Wer einen Garten hat, nutze ihn. Wer nah am Wald wohnt, mag auch dort spazieren. Meiden Sie aber Begegnungen mit anderen Menschen. Bleiben Sie in Ihrem Haus, auf Ihrem Grundstück, in Ihrer Wohnung, bis Deutschland über bessere Versorgungsstrukturen verfügt.

Kritische Zahl an Infizierten erreicht

  • Dem römischen Kaiser Nero wurde angekreidet, er habe - als Rom brannte - die Fiedel gespielt. Immerhin hat er nie behauptet, Feuer sei gar nicht so schlimm. Er hat auch die Kinder Roms nicht in die Flammen geschickt, etwa, weil sie schlechter oder erst später oder seltener brennen würden als Erwachsene oder, weil ihre Eltern sonst der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen.
  • Viele unserer Politiker, Leiter von Gesundheitsämtern und sogar ein paar Vertreter von Ärzteverbänden spielen auch jetzt noch die Fiedel. Sie tun nicht, was getan werden muss.
  • Viele Kultusminister und viele Schulamtsleiter schicken unsere Kinder noch immer in Schulen. Die Kinder nutzen auf ihrem Weg dorthin den öffentlichen Nahverkehr. Unsere Kinder und unsere Lehrer werden damit zu Fackeln eines Brands, den niemand mehr löschen kann. Für Erzieher und Kindertagesstätten-Kinder gilt das analog.
  • In dieser Zeit der Not fehlt in Deutschland an vielen Stellen ein Helmut Schmidt.
  • Uns allen bleibt nur noch der Eigenschutz. Auch er wird nicht lange sicher sein.
  • Für alle Patienten D4, D3, D2, und D1 gilt ab der kommenden Woche ein gemeinsamer Warnaufruf.
  • Halten Sie voneinander Abstand, aber halten Sie zusammen!
  • Weder Heldentaten noch Panik nutzen uns jetzt.
  • Melden Sie sich bei allen Krankheitszeichen bei uns. Bleiben Sie zu Hause, so oft und so lange Sie können.
  • Patienten der Kategorie D4 sollten sich im Bürgeramt melden, wenn ihnen Lebensmittel fehlen und niemand diese besorgen kann.
  • Verfolgen Sie täglich diesen Blog und lesen Sie unsere Informationen zum Praxisbetrieb während der Pandemie.

WHO und Kultusministerium warnen

  • Der Leiter der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte heute Personen in Gruppen mit höherem Risiko, Menschenmassen und andere Orte mit erhöhtem Infektionsrisiko zu vermeiden.
  • Er twitterte: „Wenn Sie 60 Jahre alt sind oder eine Grunderkrankung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen oder Diabetes haben, besteht ein höheres Risiko für die Entwicklung einer schweren #COVID19. Vermeiden Sie überfüllte Bereiche oder Orte, an denen Sie mit kranken Menschen interagieren könnten.“
  • Auch das Hessische Kultusministerium forderte gestern die Hessischen Schulleiter auf, Gefährdungen dieser Art zu vermeiden. „Eltern sollten dahingehend beraten werden, die Entscheidung ber die Teilnahme am Unterricht zur Vermeidung einer SARS-CoV-2-Infektion nicht ohne Rcksprache mit einem Arzt zu treffen.“ (Blatt 2 Abs. 3 des Schreibens 960.060.070-00030 vom 03.03.2020)
  • Das heißt aber auch, die Eltern sollen eine Entscheidung treffen. Eltern von Kindern mit besonderem Risiko und Kinder aus Familien mit einem Mitglied mit solchem Risiko sollten den Hinweis des Kultusministeriums sehr ernst nehmen, zumal unsere Schulen trotz der absehbaren Konsequenzen nicht geschlossen werden. Für Kindergärten gilt der Hinweis analog.

Keine Schließung von Schulen in der Wetterau und im Hochtaunuskreis

Die Leiterin des Staatlichen Schulamts für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis, Dr. Rosemarie zur Heiden, wurde am 29.02.2020 eindringlich auf die Bedeutung umgehender Schulschließungen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Epidemie hingewiesen und mit den entscheidenen Fakten vertraut gemacht. Sie ging mit keiner Silbe inhaltlich darauf ein. In einer e-Mail vom 02.03.2020 brachte sie vielmehr in höflichsten Worten zum Ausdruck, dass sie diese Eingabe nicht interessiert:


Sehr geehrter Herr Dr. Stock,

vielen Dank für Ihre ausführlichen Informationen und Empfehlungen. Ich stehe dazu in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden sowie den zuständigen Ministerien in Wiesbaden. Dort arbeitete man am Wochenende intensiv an einer für alle verbindlichen Strategie im Umgang mit der neuen Erkrankung und wird zeitnah weitere Regelungen erlassen.

Wir alle sehen uns der Gesundheit der uns anvertrauten Menschen verpflichtet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Rosemarie zur Heiden
Leiterin des Staatlichen Schulamtes

Staatliches Schulamt für den
Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis
Mainzer-Tor-Anlage 8
61169 Friedberg
Tel.: +49 6031-188-629
Fax: +49 6031-188-699
E-Mail: rosemarie.zurheiden@kultus.hessen.de
schulaemter.hessen.de/standorte/friedberg

SARS-CoV-2: Landrat auf Pressekonferenz

  • Die Internationale Tourismus Börse (ITB) wurde abgesagt, obwohl es dort keinen Verdachtsfall gab (wie auch?).
  • Auf Massenveranstaltungen, die noch nicht stattgefunden haben, hat es noch nie einen Verdachtsfall gegeben (klar).
  • Im Hochtaunuskreis gibt es sogar einen Infektionsfall.
  • Schulen und Kindergärten im Hochtaunuskreis bleiben trotzdem geöffnet, weil es in ihnen noch keinen Verdachtsfall gegeben hat.
  • Das glauben Sie nicht?
  • "Der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs, zeigte sich bei der Pressekonferenz am Samstag zufrieden, dass die Internationale Tourismus Börse (ITB) in Berlin abgesagt wurde. Man hätte am Montag eigenständig darauf verzichtet, Vertreter des Kreises dorthin zu schicken. Es sei sinnvoll, große Menschenansammlungen zu meiden. Großveranstaltungen im Hochtaunuskreis seien derzeit keine geplant. Der Schulunterricht werde am Montag "ganz normal" stattfinden, so Krebs. Generell sei es immer eine Einzelfallentscheidung, ob eine Schule geschlossen bleibe. "Es gibt aber keine Verdachtsfälle an Schulen oder Kindergärten im Hochtaunuskreis", sagte Krebs." Das berichtete heute die hessenschau.
October 2020
September 2020
August 2020
June 2020
May 2020
April 2020
March 2020
February 2020
June 2019
May 2019
April 2019
January 2019
December 2018
November 2018