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Kultusministerkonferenz

Kontrollverlust

  • Die Gesundheitsämter Deutschlands haben fast flächendeckend die Kontrolle über den Infektionsverlauf von SARS-CoV-2 verloren. Das war zu erwarten. Die deutsche Methodik der Kontaktverfolgung war von Anfang an untauglich zur Bewältigung einer exponentiellen Virus-Ausbreitung.
  • Wir befinden uns in der Phase der Schadensbegrenzung. Unsere Bundesregierung und die Landesregierungen haben hiergegen keine Strategie. Aus diesem Grund ist zu befürchten, dass wir Anfang Dezember 2020 in die Phase der Dekompensation übergehen.
  • Vier kapitale Fehler wurden gemacht:
  • Anstelle einer biologisch-technischen Strategie setzte die Bundesregierung im Frühjahr auf ein philosophisch-soziologisches Abwehrkonzept ("Hammer and Dance"). Ziellos wurde das öffentliche Leben zum Stillstand gebracht. Grundrechte wurden verletzt, Gesetze gebrochen, die Solidarität der Gesellschaft wurde zerstört.
  • Es wurde mit Lügen und Halbwahrheiten regiert. Nicht der Schutz der Gesundheit, sondern der Schutz der Reputation führender Politiker stand im Mittelpunkt. Statt Schulen und Universitäten so umzugestalten, dass sie Pandemie-tauglich werden, erließ man Pseudo-Hygiene-Verordnungen im Drei-Tages-Takt.
  • Als sich im Volk Widerstand regte, als sich vernünftige Bürger, Querdenker, Esoteriker, Spinner und Radikale organisierten, warf man sie alle in einen Topf. Sinnvolle Kommunikation fand fast gar nicht mehr statt. Wo man Gemeinschaft gebraucht hätte, spaltete man. Verbriefte Grundrechte blieben verweigert, aber ein zusätzliches Pseudo-Grundrecht wurde eingeführt: das vermeintliche Menschenrecht auf Pauschalurlaub im Sommer 2020. Dies war Fehler 3. Er führte zum inneneuropäischen Infektionszahlausgleich.
  • Statt jetzt Schulen zu schließen und den öffentlichen Nahverkehr zu drosseln, pferchte man Lehrer und Schüler ohne jeden technischen Schutz in Massen-Lehranstalten. Nicht einmal den Infektionsverlauf nach den Sommerferien wartete man ab. Das war Fehler 4.
  • Selbstbetrug ersetzte Selbstkritik. Wer sich in einer Kirche oder auf einer Feier infizierte, konnte seine Kontakte benennen. Wer im Schulbus fuhr, konnte das nicht. Also behauptete man beim Robert-Koch-Institut, private Feiern seien das Problem, ungeschützte Schulen wären es nicht. Was ich nicht nachweisen kann, gibt es nicht? Erst Anfang Oktober 2020 machte der Hessische Kultusminister einen Teilrückzug. Ab sofort durften Schüler ab Klasse 8 im Schnitt ein Viertel ihres Unterrichts zu Hause wahrnehmen. Erst Mitte Oktober zogen die Landräte die Notbremse. Jetzt plötzlich mussten Schülergesichter auch im bisher als ungefährlich geltenden Unterricht Maske tragen.
  • Deutschland war mit Glück und trotz schlechter Regierung durch die erste Phase der Pandemie gekommen. Jetzt wird es ernst. Dank des Regierungsversagens während der ersten Welle und dank des Kommunikationsdesasters auch in großen Teile der Medien, glaubt ausgerechnet jetzt, zu Beginn der zweiten Welle, gut die Hälfte der Bevölkerung gar nichts mehr.
  • Achten Sie ab jetzt nicht mehr auf die täglichen Zahlen positiver Corona-Tests. Achten Sie auch nicht auf die Belegung der Intensivbetten. Beides nutzt Ihnen nicht. Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Nehmen Sie ein altes Mathebuch, Kapitel Exponentialfunktion.
  • Bleiben Sie, wann immer es möglich ist, in diesem Winter zu Hause. Benutzen Sie nicht den ÖPNV. Fliegen Sie nicht.
  • Weder "Alltags"masken noch Visiere noch OP-Masken schützen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2.

Schulen als Katalysatoren der Pandemie

  • Hunderte von Schülern Schulter an Schulter im öffentlichen Nahverkehr, drangvolle Enge in den Schulen, keinerlei technischer Schutz: das ist bislang die Realität im deutschen Schulsystem. Die Schule war der wesentliche Katalysator der Corona-Welle 2 in Deutschland.
  • Nun lenkt Hessens Kultusminister ein. Für die Dauer der Corona-Pandemie kann der Präsenzunterricht an beruflichen Schulen, in der Sekundarstufe II sowie in besonderen Fällen auch in den Klassenstufen 8 bis 10 der allgemein bildenden Schulen auf Basis des Hessischen Schulgesetzes durch digital-gestützten Distanzunterricht ersetzt werden. Dabei gilt eine Obergrenze von 25 Prozent der Unterrichtsstunden und für die Berufsschule von 50 Prozent.
  • Der digital-gestützte Distanzunterricht wird auf freiwilliger Basis eingerichtet und setzt die Zustimmung der schulischen Gremien und des Schulträgers sowie eine entsprechende technische Ausstattung der Schulen und ihrer Schülerinnen und Schüler voraus. Sind alle diese Anforderungen erfüllt, prüft und genehmigt das Kultusministerium die Anträge.
  • Sie sind spät, Herr Kultusminister! Hoffentlich gelingt die Korrektur Ihres Fehlers noch. Auf die Schulkonferenzen Hessens kommt jetzt viel Arbeit zu.

Gefährden die Kultusminister Deutschland?

  • Ab Montag öffnen auch in Hessen wieder alle Schulen, als sei die Corona-Pandemie vorbei. Abstandsgebote sind außer Kraft gesetzt. Von angemessener Durchlüftung kann in fast keinem Klassenraum die Rede sein. Kinder und Lehrer werden durch unangemessene Masken-Verwendung auch gesundheitlich gefährdet, wo SARS-CoV-2 sie nicht erreicht.
  • Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren sind in Bezug auf SARS-CoV-2 infektiöser als Menschen in anderen Altersgruppen.
  • Bildung wird Nebensache sein. Alles dreht sich nur noch um die Pandemie. Wann wird meine Schule wieder schließen? Bin ich schuld an den Corona-Fällen meiner Schule? Warum soll ich in der Bahn Abstand halten, wenn er in der Schule nicht notwendig ist?
  • Dummheit und Faulheit und Scheu vor Verantwortung, wohin man in der Ministerriege blickt? Es lief nämlich gar nicht schlecht, als der "Lockdown" begann. Lehrer entwickelten ungeheuere Kreativität. Die meisten Schüler waren sogar produktiver als zuvor. Klar gab es Lehrerversagen. Klar gab es Schüler, die gar nichts lernten. Gibt es diese Phänomene sonst wirklich nie?
  • Die Kultusminister hatten die Aufgabe, das Bildungssystem pandemiefest zu machen, krisensicher. Nichts dergleichen haben sie getan. Nun werden Angst und Unsicherheit den Schulalltag prägen. Die Infektionszahlen werden dramatisch steigen. Viele heute nur leicht erkrankte Schüler erwartet vielleicht ein kurzes Leben. Sie fielen dem Gesundheitswesen 2020 nicht zur Last. Aber das vorzeitige Altern nach CoVID-19 hielt niemand mehr auf.
  • 79 Jahre wird man derzeit in Deutschland durchschnittlich alt. Vielleicht erinnert sich eines Tages ein CoVID-19-Schüler an diesen Blog, falls er entdeckt, dass das Durchschnittsalter in Deutschland im Jahr 2070 auf 60 Jahre gesunken ist.
  • Die Kultusminister spielen mit der Zukunft der Kinder. Und sie setzen fahrlässig die Gesundheit aller Menschen in Deutschland aufs Spiel.

Ist Corona vorbei?

  • Nach den Sommerferien findet in Hessen wieder der aus dem 19. Jahrhundert bekannte Schulunterricht statt. Mit der "Hygiene"-Verordnung vom 24.07.2020 hat das Hessische Kultusministerium alle vormaligen CoVID-19-"Risikogruppen" abgeschafft. Ohne den andernorts stets geforderten Mindestabstand sollen ausnahmslos alle Schüler und ausnahmslos alle Lehrer wieder nach dem Modell von Pestalozzi in den Schulgebäuden sein. Nur Schwangere können hierauf nicht verpflichtet werden.
  • Immer klarer wird indessen, dass Zwölf- bis Achtzehnjährige sogar infektiöser sind als Erwachsene oder Kinder.
  • Warum unter diesen Umständen keine Partys und keine Fußball-Events und keine Demonstrationen stattfinden dürfen, ist den meisten Deutschen längst nicht mehr zu vermitteln. Behelfsmasken werden mehrfach und an allen nur möglichen Positionen im Gesicht getragen. Die Nase ragt als "Coronazinken" meist darüber hinaus. Verkäufer tragen in der Regel gar keine Maske mehr. Ein Plexiglasschild vor dem Gesicht genügt.
  • Während der Sommerferien erleben wir eine Art Europäischen Infektionszahlausgleich.
  • Pandemievorsorge auf politischer Ebene findet nicht statt.
  • Wenn kein Wunder geschieht, steht uns ein bitterer Herbst bevor. Eine "zweite Welle" erwartet uns nicht. In Deutschland gab es bislang noch gar keine erste Welle, wie etwa in Italien, in Frankreich, in Spanien oder in Großbritannien. Deutschland erlebt den Pandemie-Teil von Corona im Herbst 2020 im Grunde zum ersten Mal. Ohne Reserven, ohne Plan.
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