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Virus mit Moral

Wir haben gestern staunend gelernt, dass SARS-CoV-2 vom 2. November an Menschen in Gaststätten und Kirchen befallen, Schüler und Lehrer an deutschen Gymnasien aber verschonen wird. Es wird im November 2020 gefährlich sein, wenn Menschen aus mehr als zwei Hausständen gemeinsam öffentlich zusammen sind, es sei denn, sie befänden sich auf dem Schulweg in Bus oder Bahn. Das Virus schlägt zu, wenn im privaten Bereich mehr als 10 Menschen beisammen sind. Im Klassenraum wird das nicht so sein. Im Krankenhaus werden Ärzte und Pfleger trotz FFP3-Maske infiziert werden. In der Schule bietet jedwede Maske aber vollständigen Schutz.

SARS-CoV-2 hat also Moral. Ich gestehe, ich wusste das nicht. Wir müssen hoffen, dass das Virus immer genau erkennt, mit welcher Absicht und wozu wir im November unterwegs sind. Das fällt ja sogar dem Finanzamt schwer.

Die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin ließ Fragen offen: Sind Schüler, die ihre Hausaufgaben vergessen haben, eigentlich auch von einer Alltagsmaske geschützt, oder fällt deren Kontakt zu den Mitschülern in den privaten Bereich? Was ist, wenn im Bus unerkannt eine Person mitfährt, die gar nicht aus der Schule, sondern von einer Party kommt?

Wir selbst kommen - schon wegen dieser Grenzfragen - gar nicht um die Unterstützung des Virus bei seiner Arbeit herum.

Damit beginnt der ernstere Teil: Bitte zögern Sie nicht bei der Mitteilung eines positiven Testergebnisses. Lassen Sie Klassenlehrer oder die Schulleitungen oder mich ganz schnell wissen, dass in Ihrem Haushalt eine Person positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, falls dies so ist.

Es kann jeden von uns treffen. Infektionen mit SARS-CoV-2 sind keine Schande, die man verschweigen muss.

Wir müssen uns als von der Schule Betroffene selbst und gegenseitig schützen. Warten Sie nicht auf das Gesundheitsamt! Die offiziellen Regeln und die Behörden helfen uns ab November 2020 nicht mehr. Die eigentliche Schande ist, wie fahrlässig man Schüler und Lehrer Risiken aussetzt, die man außerhalb der Schule für nicht mehr vertretbar hält.

Bitte lassen Sie keines Ihrer Kinder zur Schule gehen, falls auch nur eine einzige Person Ihres Haushalts eine Quarantäneauflage oder eine Isolationsanordnung erhalten hat. Gehen Sie in diesem Fall auch selbst nicht zum Unterricht.

Angesichts des fehlenden technischen Schutzes vor Infektionen in der Schule und angesichts der offensichtlichen Überforderung der zuständigen Behörden wäre ab November der Präsenzunterricht nicht mehr zu verantworten, sobald auch nur ein einziges Kind einer Klasse oder eines seiner Haushaltsmitglieder mit dem neuen Coronavirus infiziert ist.

Was Deutschland hilft

Die für heute geplanten Beschlüsse der Regierungen von Bund und Ländern bedeuten das faktische Aus für die Schule Pestalozzis und den öffentlichen Nahverkehr.

In der Beschlussvorlage des Bundes für die Videokonferenz von Kanzlerin Dr. Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder heißt es, der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit deutschlandweit solle nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet sein.

So funktioniert ein Schulbus nicht.

Vielleicht gilt die Beschlussvorlage aber für Schüler und Arbeitnehmer nicht. In diesem Fall wäre eine Art Nichtangriffspakt mit
SARS-CoV-2 nötig, der den Befall von Schülern und Arbeitnehmern in Deutschland ausschließt. Vielleicht sitzt das Virus ja bereits in der um 13.00 Uhr beginnenden Videokonferenz.

Die Beschlüsse bedeuten auch das Aus für weite Teile der Gastronomie. Sie gelten für ausnahmslos alle der gut kontrollierbaren Restaurants. Prof. Karl Lauterbach hat bereits gefordert, auch das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung aufzuheben. Er will kontrollieren lassen, ob es außerhalb der geschlossenen Restaurants zu privaten Bewirtungen kommt.

Was insgesamt wie eine Comedy anmutet, ist ein ernst gemeinter Versuch der Regierenden, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Natürlich geht das so nicht. Was heute beschlossen wird, erzeugt allenfalls Verdruss. SARS-CoV-2 beeindrucken derartige Beschlüsse nicht.

Kontrollverlust

  • Die Gesundheitsämter Deutschlands haben fast flächendeckend die Kontrolle über den Infektionsverlauf von SARS-CoV-2 verloren. Das war zu erwarten. Die deutsche Methodik der Kontaktverfolgung war von Anfang an untauglich zur Bewältigung einer exponentiellen Virus-Ausbreitung.
  • Wir befinden uns in der Phase der Schadensbegrenzung. Unsere Bundesregierung und die Landesregierungen haben hiergegen keine Strategie. Aus diesem Grund ist zu befürchten, dass wir Anfang Dezember 2020 in die Phase der Dekompensation übergehen.
  • Vier kapitale Fehler wurden gemacht:
  • Anstelle einer biologisch-technischen Strategie setzte die Bundesregierung im Frühjahr auf ein philosophisch-soziologisches Abwehrkonzept ("Hammer and Dance"). Ziellos wurde das öffentliche Leben zum Stillstand gebracht. Grundrechte wurden verletzt, Gesetze gebrochen, die Solidarität der Gesellschaft wurde zerstört.
  • Es wurde mit Lügen und Halbwahrheiten regiert. Nicht der Schutz der Gesundheit, sondern der Schutz der Reputation führender Politiker stand im Mittelpunkt. Statt Schulen und Universitäten so umzugestalten, dass sie Pandemie-tauglich werden, erließ man Pseudo-Hygiene-Verordnungen im Drei-Tages-Takt.
  • Als sich im Volk Widerstand regte, als sich vernünftige Bürger, Querdenker, Esoteriker, Spinner und Radikale organisierten, warf man sie alle in einen Topf. Sinnvolle Kommunikation fand fast gar nicht mehr statt. Wo man Gemeinschaft gebraucht hätte, spaltete man. Verbriefte Grundrechte blieben verweigert, aber ein zusätzliches Pseudo-Grundrecht wurde eingeführt: das vermeintliche Menschenrecht auf Pauschalurlaub im Sommer 2020. Dies war Fehler 3. Er führte zum inneneuropäischen Infektionszahlausgleich.
  • Statt jetzt Schulen zu schließen und den öffentlichen Nahverkehr zu drosseln, pferchte man Lehrer und Schüler ohne jeden technischen Schutz in Massen-Lehranstalten. Nicht einmal den Infektionsverlauf nach den Sommerferien wartete man ab. Das war Fehler 4.
  • Selbstbetrug ersetzte Selbstkritik. Wer sich in einer Kirche oder auf einer Feier infizierte, konnte seine Kontakte benennen. Wer im Schulbus fuhr, konnte das nicht. Also behauptete man beim Robert-Koch-Institut, private Feiern seien das Problem, ungeschützte Schulen wären es nicht. Was ich nicht nachweisen kann, gibt es nicht? Erst Anfang Oktober 2020 machte der Hessische Kultusminister einen Teilrückzug. Ab sofort durften Schüler ab Klasse 8 im Schnitt ein Viertel ihres Unterrichts zu Hause wahrnehmen. Erst Mitte Oktober zogen die Landräte die Notbremse. Jetzt plötzlich mussten Schülergesichter auch im bisher als ungefährlich geltenden Unterricht Maske tragen.
  • Deutschland war mit Glück und trotz schlechter Regierung durch die erste Phase der Pandemie gekommen. Jetzt wird es ernst. Dank des Regierungsversagens während der ersten Welle und dank des Kommunikationsdesasters auch in großen Teile der Medien, glaubt ausgerechnet jetzt, zu Beginn der zweiten Welle, gut die Hälfte der Bevölkerung gar nichts mehr.
  • Achten Sie ab jetzt nicht mehr auf die täglichen Zahlen positiver Corona-Tests. Achten Sie auch nicht auf die Belegung der Intensivbetten. Beides nutzt Ihnen nicht. Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Nehmen Sie ein altes Mathebuch, Kapitel Exponentialfunktion.
  • Bleiben Sie, wann immer es möglich ist, in diesem Winter zu Hause. Benutzen Sie nicht den ÖPNV. Fliegen Sie nicht.
  • Weder "Alltags"masken noch Visiere noch OP-Masken schützen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2.

Politik versagt

  • Die Ministerpräsidenten aller Bundesländer und die Bundeskanzlerin tagten am 14.10.2020 in Berlin. In dieser Runde einigte man sich auf Beschränkungen des privaten Umgangs und auf Restriktionen für die Gastronomie.
  • Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet. Der ÖPNV wurde vom Berliner Bürgermeister Müller in der Pressekonferenz am Abend ausdrücklich als „gut kontrolliert“ bezeichnet. Das grenzt an Realitätsverlust.
  • Die exponentielle Verbreitung von SARS-CoV-2 in Deutschland wird durch die Beschlüsse der Regierungsrunde nicht verhindert werden. Unsere politischen Führer wirken hilflos. Die Gesundheitsämter verlieren die Kontrolle über die zweite Welle.
  • Bitte ergänzen Sie in den nächsten Tagen Ihre Vorräte und Ihre Medikamente. Rechnen Sie mit vielen Kranken auch in Ihrem persönlichen Umfeld und mit exorbitant hohen Kosten für unser Land. Bleiben Sie in diesem Winter zuhause, wann immer Ihnen dies möglich ist.

Welle zwei in Sicht

  • In einigen Jahren wird man feststellen, dass es falsch war, während der Pandemie in Deutschland am Fetisch des Präsenzunterrichts in Schulen festzuhalten, wie ihn Pestalozzi vor fast drei Jahrhunderten erfand.
  • Am Ende der Sommerferien 2020 sagte ich voraus, dass es Ende Oktober in Deutschland erste Probleme mit SARS-CoV-2 geben würde. Meine Hypothese lautete: Durch das Festhalten am herkömmlichen Schulbetrieb und der damit einhergehenden, gemeinsamen Nutzung des ÖPNV durch tausende Schüler verschiedener Schulen wird deutschlandweit eine Vielzahl nicht erkennbarer Cluster an Infizierten erzeugt. Leider kommt es jetzt anscheinend genau so.
  • Ende Oktober wird fast kein Gesundheitsamt mehr in der Lage sein, den Infektionsverlauf in seinem Sprengel zu kontrollieren. Dies hat dann nichts mehr mit der bekannten Untauglichkeit des praktizierten Verfahrens oder mit einem Mangel an Personal zu tun. Das Problem wird erkenntnistheoretisch und mathematisch sein.
  • Ich empfehle allen Patienten, ab jetzt wieder einen Vorrat an Dauermedikamenten für 180 Tage anzulegen. Ergänzen Sie auch Ihre übrigen Vorräte auf das Niveau von Februar 2020.

Kein Lob der Politik

  • Wir müssen in Deutschland entweder versuchen, aus der aktuellen Phase der Schadensbegrenzung in die Phase der Kontrolle der Epidemie zurückzukehren oder wir müssen vorgehen nach dem Motto "Augen zu und durch". Alle Grundrechte aufzugeben, die Wirtschaft zu ruinieren, jedes normale gesellschaftliche Leben zu opfern und jegliches Handeln in den nächsten Jahren immer nur an der Zahl freier Intensivbetten auszurichten, ist unmenschlich und es ist unsinnig zugleich.
  • Die Pandemie wird erst enden, wenn 60-70% aller Menschen immun sind gegen SARS-CoV-2. Auf "Herdenimmunität" zu setzen und gleichzeitig die Geschwindigkeit der Neuinfektionen zu bremsen, erfordert bestenfalls fünf, vermutlich aber 78 Jahre Zeit! Auf Impfstoffe zu setzen, erfordert bestenfalls zwei, vermutlich aber bis zu fünf Jahre Zeit. Das schaffen wir nicht, wenn wir weitermachen wie in den letzten vier Wochen.
  • Also Augen zu und durch? In etwa acht Monaten wäre die Pandemie zu Ende. Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland wären tot.
  • Oder zurück zur Phase, in der die Epidemie noch kontrollierbar war? Das geht nur, wenn wir Deutschland ab jetzt für etwa zwei Monate fast total still stehen lassen. In dieser Zeit muss ein echtes Virus-Kontrollsystem aufgebaut werden. Die CovID-2019-Versorgung muss vom übergroßen Rest der Medizin abgetrennt werden. Wir fangen danach einfach nochmal von vorne, sozusagen in einem zweiten Februar 2020 an, jetzt aber cleverer.
  • Keinesfalls dürfen jetzt wieder Schulen für Pseudounterricht geöffnet werden. Keinesfalls stecke man Kinder und Jugendliche jetzt wieder in den öffentlichen Nahverkehr. Das ist auch unnötig. Die Pandemie wird noch Jahre dauern. Man baue das Schulsystem jetzt bitte pandemie-resistent um. Das Schulsystem alter Prägung hat ausgedient.
  • Für die Handlungen und die Planlosigkeit von Bundesregierung und Hessischer Landesregierung gibt es angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse keine Rechtfertigung mehr. Wir können nicht weitermachen wie bisher.

Betten machen

  • 45% aller Intensivbetten in Deutschland sind zur Zeit verfügbar zur Behandlung von Patienten mit CoVID-2019, so Jens Spahn am Donnerstag.
  • Die Anzahl der Intensivbetten in Deutschland betrage zur Zeit 40000. 30000 dieser Betten seien mit einer Beatmungsmaschine ausgestattet, so die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V.
  • Aufgrund eines finanziellen Anreizes haben in den letzten Tagen viele Krankenhäuser freie neue Intensivbetten gemeldet. Pro gemeldetem Bett erhielten sie € 50000.
  • Neues Personal wurde nicht eingestellt. Die Prämie erhielten die Krankenhäuser pro Bett, nicht pro Pflegekraft oder Arzt und Bett. Auch die Beschaffung von zusätzlichem Verbrauchsmaterial zum Betrieb der Intensivbetten, von Medikamenten oder Schutzausrüstung war zur Erlangung der Prämie nicht erforderlich.
  • Aktuell gibt es in Deutschland 1853 Intensivpatienten mit CoVID-2019. Mit jeweils € 50000 wurden 8296 heute noch bereitstehende Intensivbetten bezahlt.

Ein Desaster

  • In Deutschland werden bislang etwa 3% alle nachgewiesenermaßen mit SARS-CoV-2 Infizierten auf der Intensivstation behandelt. Das wird nicht so bleiben. Aus Italien, aus Frankreich und aus China wissen wir, es werden fast 10% aller Infizierten sein. Wir folgen mit allen Zahlen unseren Nachbarn in Italien und in Frankreich.
  • Im Moment haben wir vermutlich 71000 nachgewiesen Infizierte. Es ist unklar, wie lang die Zeitspanne zwischen Infekt-Diagnose und Aufnahme auf die Intensivstation im Schnitt ist. Erwarten Sie in den nächsten zwei Wochen aber weitere 5500 Intensivpatienten mit CoVID-2019 in Deutschland. Wenn dies so kommt, sind Mitte Mai alle Intensivbetten belegt.
  • Etwa 20% der CoVID-Intensivfälle erleiden ein Lungenversagen (ARDS). Wir erwarten also zunächst 1400 langfristig Beatmete im April 2020. 85% von ihnen werden innerhalb der folgenden drei Monate sterben. Viele, die überleben, tragen schwere Lungenschäden davon.
  • Ohne einschneidende Veränderungen wird unser Gesundheitssystem noch bis Ende Mai funktionieren.
  • Dies ist keine Neuigkeit. Alles steht bereits seit zwei Monaten in allen Fachzeitschriften. Auch der Aufruf zu strategischem Handeln ist nicht neu.
  • In Berlin werden jetzt Isolationszentren gebaut. Das Klinikum rechts der Isar in München ist sogar schon einsatzbereit. Hessen folgt irgendwann nach.

Fallzahl wächst weiter exponentiell

  • Die Anzahl der Infizierten in Deutschland wächst weiterhin exponentiell.
  • Bereits kurz nach Ostern wird das Gesundheitswesen in Deutschland nicht mehr leistungsfähig sein, sofern dieses Wachstum nicht beendet wird (Sonderfall "Dekompensation").
  • Es ist für Ärzte jeder Fachrichtung an der Zeit, sich mit den Methoden und Prozeduren der Notfallmedizin wieder vertraut zu machen. Wir laden alle Ärzte und alle Pflegekräfte, die in Rosbach wohnen, auch wenn sie nicht in Rosbach arbeiten, zu einer gemeinsamen Vorbereitung ein.
  • Wir bitten alle Patienten der Kategorie D4 und auch deren engste Angehörige (Mitbewohner), vorläufig auf persönliche Kontakte zu Menschen außerhalb strukturierter Gesundheitsversorgung zu verzichten. Patienten der Kategorie D3 sollten von Einkäufen absehen. Allen Patienten könnte es nutzen, von vielen anderen Menschen verwendete Eingabegeräte (PIN-Tastatur bei Kartenlesegeräten) und Griffe von Einkaufswagen nicht mehr ungeschützt berühren.
  • Vor allen Hausbesuchen findet bei uns ab jetzt eine strukturierte Befragung statt.
  • Bitte beachten Sie unsere weiteren Hinweise zu SARS-CoV-2 und CoVID-2019.
  • Bitte machen Sie sich auch nochmals mit unserem Praxisbetrieb während der Epidemie vertraut.

Nichts Neues: leider nichts

Pandemie-Management-Plan: erweiterte Version

  • In den letzten 48 Stunden haben wir vor allem Behandlungsberichte und Studien ausgewertet (Danke und willkommen, Markus Endler). Nach und nach erhalten wir dadurch immer bessere Daten zur Epidemiologie von SARS-CoV-2. Wir wollen rechtzeitig vor der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts am Sonntagabend damit fertig sein. Die verfügbaren Studien sind allerdings wissenschaftlich minderbefriedigend. Es kann also sein, dass wir Ihnen nur zeigen können, warum wir derzeit noch nicht wissen können, was wirklich wahr und richtig ist.
  • Wir haben unser Netzwerk von Multiplikatoren und Ansprechpartnern weiter ausgebaut (Danke, Lisa Nätscher).
  • Unser Pandemie-Management-Plan wurde um zwei weitere Aspekte erweitert (Dank an Prof. Dr. Alexander Teichmann).
  • Sicher bleibt: Ihr regionales Krankenhaus ist für Sie derzeit ein gefährlicher Platz. Noch gibt es auch kein einziges CoVID-2019-Zentrum in Deutschland. Wir raten Ihnen: Bleiben Sie zu Hause.
  • Beachten Sie unsere Seite zur Diagnostik von CoVID-2019. Melden Sie sich aber, wenn Sie verdächtige Beschwerden haben.
  • Bleiben Sie - wie vereinbart - täglich mit uns in Kontakt, wenn Sie CoVID-2019-Patient unserer Praxis sind. Wenn wir Ihre Behandlung einer Verschlechterung rechtzeitig anpassen, erhöht das Ihre Chance, einen kritischen Verlauf zu vermeiden.

Robert-Koch-Institut erwartet katastrophale Bettensituation

  • Die ZEIT berichtete um 18.04 Uhr, aufgrund der vom Robert-Koch-Institut erwarteten Fallzahlen sei in Deutschland die Verdopplung der der vorhandenen Intensivbetten nötig. Derzeit geht man von 28000 vorhandenen Intensivbetten insgesamt aus. 25000 von diesen seien zur Beatmung von Patienten geeignet.
  • Es fehlen demnach 28000 Intensivbetten zur Bewältigung der erwarteten Patientenzahl.
  • Größere Hallen, Hotels und Rehabilitationseinrichtungen müssten außerdem "für die zahlreichen leichteren Behandlungsverläufe" aus-, auf-, und umgerüstet werden.
  • Die Schätzergebnisse des Robert-Koch-Instituts liegen damit um ein Vielfaches über unseren hier publizierten Einschätzungen.
  • Wir verweisen auf unseren Management-Plan zur Beherrschung der Pandemie.

Neue Pandemie-Strategie dringend notwendig

  • Derzeit sollen in Deutschland alle Ärzte und alle Krankenhäuser alles machen: Normalbetrieb plus Pandemie.
  • Dafür gibt es zu wenig Personal, zu wenige Schutzvorrichtungen, keine einheitlichen Ablaufpläne und zu wenig Verbrauchsmaterial.
  • Erste Krankenhäuser geben Hygieneprozeduren auf. Erste Notaufnahmen behandeln CoVID-2019-Verdachtsfälle ohne persönlichen Schutz. Handschuhe werden sogar an mancher Universitätsklinik inzwischen schon in der Mikrobiologie rationiert. Dabei haben die eigentlichen Versorgungsprobleme noch gar nicht begonnen.
  • Seit dem letzten Wochenende wenden sich Ärzte und Intensivpflegekräfte aus mehreren Kliniken in Deutschland mit erschütternden Berichten an uns.
  • In wenigen Wochen wird unser Gesundheitswesen am Ende sein, wenn der Kampf gegen SARS-CoV-2 weiterhin ohne Spezialisierung geführt wird.
  • Würde die Bundeswehr am ersten Tag eines Verteidigungsfalls alle Kräfte einsetzen?
  • Würde die Feuerwehr sämtliche Mitarbeiter in einen Brand laufen lassen?
  • Würde die Polizei einem Banküberfall mit jedwedem Uniformierten begegnen?
  • Viele Menschen werden nach unserer Einschätzung sterben, wenn wir nicht besser handeln. Auch viele Ärzte und viele Krankenpfleger werden darunter sein.
  • Das muss nicht sein. Wir unterbreiten den verantwortlichen Politikern heute zeitgleich in mehreren Ländern eine Strategie mit Aussicht auf Erfolg.
  • Die Diskussion ist eröffnet. Helfen Sie mit!

Bayern verbessert das Pandemie-Management.

  • Die Landesregierung Bayerns zentralisiert das Pandemie-Management, indem sie für Bayern den Katastrophenfall ausruft. Dies bedeutet, dass die Bekämpfung der Pandemie nicht mehr in den Händen der Gesundheitsämter liegt.
  • Respekt. Das löst noch kein Problem, aber es löst eine wichtige Blockade auf.
  • Alle anderen Bundesländer sollten folgen.
  • Anschließend sollte der Bund rasch alle Kompetenzen an sich ziehen.

Halten Sie Abstand. Schützen Sie sich!

  • SARS-CoV-2 ist in Deutschland schon so weit verbreitet, dass es in diesen Tagen schwer ist, einer Infektion zu entgehen.
  • Fehler 1: offene Schulen und Kindergärten in den ersten Wochen des März
  • Fehler 2: Personal wird in unseren Krankenhäusern teilweise ohne ausreichenden Schutz zu CoVID-2019-Patienten geschickt.
  • Warum sollten Sie trotzdem zu Hause bleiben? - Die Antwort ist ernüchternd. Es ist schlicht kein Platz auf der Intensivstation. Bedenken Sie das auch beim Motorradfahren. Dies ist nicht die Zeit für das sonst übliche Risiko.
  • Wer einen Garten hat, nutze ihn. Wer nah am Wald wohnt, mag auch dort spazieren. Meiden Sie aber Begegnungen mit anderen Menschen. Bleiben Sie in Ihrem Haus, auf Ihrem Grundstück, in Ihrer Wohnung, bis Deutschland über bessere Versorgungsstrukturen verfügt.

Management der Pandemie

  • Die Bundesregierung aktiviert die Reservisten der Bundeswehr. Ärzte und Pflegekräfte werden aus dem Ruhestand geholt. Medizinstudenten sollen vorzeitig im Krankenhaus dienen. Jedes Krankenhaus und jede Arztpraxis sollen CoVID-2019 bekämpfen. Gleich zu Beginn der Krise stellt Deutschland das letzte Aufgebot. Das ist eine panische Reaktion.
  • Panik kennt jeder Schüler. Sie ist das Gefühl, das kurz vor der Klassenarbeit entsteht, wenn man von der Erledigung von Hausaufgaben und der Mitarbeit im Unterricht hartnäckig abgesehen hat. Panik ist aber immer das letzte, was in einer Krise hilft.
  • Angesichts der Bedeutung der Prüfung, die uns in den nächsten Wochen bevorsteht, stellen wir heute unseren eigenen Pandemie-Management-Plan auf Deutsch und auf Englisch online. Man kann dort per copy and paste abschreiben. Das merkt keiner. Wir sind auch nicht böse, wenn es geschieht.

Pandemie-Zwischenstand

  • Schulen, Kindergärten und Universitäten wurden erst jetzt geschlossen. Das war fahrlässig. Das wird viele Menschenleben kosten.
  • Es darf keine "Notbetreuung" für Kinder von Angehörigen des Gesundheitswesens oder anderer für die Infrastruktur wichtiger Berufsgruppen geben. Das sind keine Kinder zweiter Klasse und sie sind auch infektiös. Im Dienst tragen ihre Eltern Schutzkleidung, anschließend nehmen sie ihre KiTa-Kinder in den Arm. Falsche Scheinlösungen ersetzen keine Strategie. Kollegen, Pflegekräfte: holt Eure Kinder nach Hause. Organisiert die Betreuung in Kleingruppen innerhalb der Nachbarschaft. - Politiker: Hört mit Scheinlösungen auf. Wir verlieren nur Zeit.
  • Die Bevölkerung Deutschlands wurde zur Selbstisolation aufgefordert.
  • Noch gibt es aber kein Pandemie-Management-Konzept.
  • Deutschland reagiert extrem langsam, extrem spät, zäh und zögerlich.
  • Aufgrund der Falschinformationen (harmlos, nicht schlimm, haben alles im Griff) der letzten Wochen, ist vielen Menschen der Ernst der Lage noch immer nicht bewusst.
  • Drei von vier Menschen aus einer beliebigen Gruppe werden sich infizieren.
  • Zwei davon werden krank.
  • Einer von ihnen wird schwer krank.
  • Das wird in den nächsten Tagen noch nicht in jeder Nachbarschaft sein. Aber es wird in den nächsten Wochen schlagartig geschehen. Niemand kann genau sagen, wann.
  • Bleiben Sie ab jetzt so lange und so oft wie möglich zu Hause.

Kritische Zahl an Infizierten erreicht

  • Dem römischen Kaiser Nero wurde angekreidet, er habe - als Rom brannte - die Fiedel gespielt. Immerhin hat er nie behauptet, Feuer sei gar nicht so schlimm. Er hat auch die Kinder Roms nicht in die Flammen geschickt, etwa, weil sie schlechter oder erst später oder seltener brennen würden als Erwachsene oder, weil ihre Eltern sonst der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen.
  • Viele unserer Politiker, Leiter von Gesundheitsämtern und sogar ein paar Vertreter von Ärzteverbänden spielen auch jetzt noch die Fiedel. Sie tun nicht, was getan werden muss.
  • Viele Kultusminister und viele Schulamtsleiter schicken unsere Kinder noch immer in Schulen. Die Kinder nutzen auf ihrem Weg dorthin den öffentlichen Nahverkehr. Unsere Kinder und unsere Lehrer werden damit zu Fackeln eines Brands, den niemand mehr löschen kann. Für Erzieher und Kindertagesstätten-Kinder gilt das analog.
  • In dieser Zeit der Not fehlt in Deutschland an vielen Stellen ein Helmut Schmidt.
  • Uns allen bleibt nur noch der Eigenschutz. Auch er wird nicht lange sicher sein.
  • Für alle Patienten D4, D3, D2, und D1 gilt ab der kommenden Woche ein gemeinsamer Warnaufruf.
  • Halten Sie voneinander Abstand, aber halten Sie zusammen!
  • Weder Heldentaten noch Panik nutzen uns jetzt.
  • Melden Sie sich bei allen Krankheitszeichen bei uns. Bleiben Sie zu Hause, so oft und so lange Sie können.
  • Patienten der Kategorie D4 sollten sich im Bürgeramt melden, wenn ihnen Lebensmittel fehlen und niemand diese besorgen kann.
  • Verfolgen Sie täglich diesen Blog und lesen Sie unsere Informationen zum Praxisbetrieb während der Pandemie.

Recherchen und Überraschungen

DeStatis hat seit 2017 keine vollständigen Behandlungszahlen mehr veröffentlicht. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft hat das Statistische Bundesamt „die Statistik umgestellt“. Kein Mensch weiß seither, wie viele Patienten pro Jahr in Deutschland in wieviel echten Intensivbetten behandelt werden können. Ich habe gerade mit einem Italiener in Rom telefoniert, der hofft, Deutschland werde es nicht so schlimm treffen wie Italien, weil „Deutschland viel gründlicher und strukturierter“ sei. Sicher ist das nicht.

Was kann man wirklich tun?

  • Viele Menschen haben mich heute gefragt, was sie wirklich tun können. An vielen Einzelbeispielen haben wir diskutiert, was für uns Einzelne sinnvoll ist. Einen Teil dieser Diskussionen habe ich in einem Leitfaden zusammengefasst.

keine harmlose Krankheit - viele Todesfälle abzusehen

Auch Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité hat jetzt nochmals vor einer verheerenden CoVID-2019-Welle in wenigen Woche gewarnt.
Auch er forderte die sofortige Aufstockung der Zahl der Intensivbetten.
  • „Im Herbst wird es kritisch, das ist klar. Dann wird es in den Kommunen zahllose unerkannte Fälle geben, weil die Gefahr im Sommer aus dem Blick gerät“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Ich erwarte dann eine schlagartige Zunahme der Corona-Fälle mit schlimmen Folgen und vielen Toten.“
  • „Wir müssen jetzt mit Hochdruck mehr Kapazitäten an Intensivbetten schaffen, sonst wird es zu schwierigen Entscheidungen kommen“, verlangte Drosten. „Wen wollen wir dann retten, einen schwer kranken 80-Jährigen oder einen 35-Jährigen mit einer rasenden Viruspneumonie, der binnen Stunden sterben würde und bei künstlicher Beatmung binnen vier Tagen über den Berg wäre?“, fragte Drosten. „Vieles spricht dafür, dass es solche Fälle geben wird, in denen auch in Hubschrauberreichweite kein Gerät bereit wäre“, warnte er: „Das ist kein Alarmismus, der mir manchmal vorgeworfen wird. Das sind keine Horrorszenarien, sondern wird Realität werden, wenn es zu einer schnellen Ausbreitung kommt.“
  • „Es ist nicht mehr angebracht, die Lage zu verharmlosen. Wir stehen vor einer bislang nicht gekannten Bedrohungslage und können nicht absehen, was das bedeutet. Wir haben jetzt noch etwas Zeit für Planungen und Investitionen, die wir nicht vertrödeln dürfen. Wir müssen verdammt aufpassen.“

Im Gegensatz zu Prof. Drosten glaube ich nicht, dass es im Sommer eine Verminderung der Infektionsausbreitung geben wird. Im Iran breitet sich das Virus gerade bei 25°C und Sonnenschein aus.

Konsequenzen der Unterlassungen

  • Wir wollten Ihnen an diesem Wochenende mehr über die Ergebnisse und über die notwendigen Schlussfolgerungen der China-Inspektion der WHO erzählen. Wir müssen dies zurückstellen.
  • Da Schule und Kindergärten aus wirtschaftspolitischen Gründen geöffnet bleiben und da sogar die Absage vieler Großveranstaltungen unterbleibt, werden wir uns zunächst auf die Darstellung der Konsequenzen dieses Vorgehens für Deutschland konzentrieren.
  • Wir werden Ihnen in einem kontinuierlich erweiterten Beitrag sagen, welche zusätzlichen Ressourcen infolge der derzeitigen Unterlassungen im Herbst 2020 und in den zwei Jahren danach erforderlich sind.
  • Die Hoffnung, die wir damit verbinden, ist: Ein Entscheidungsträger unter unseren Lesern wird vom Blitz der Erkenntnis getroffen und sorgt für die Ausbildung von etwa 1000 Intensivpflegekräften in den nächsten vier Monaten in einem ebenfalls höchst intensiven Programm.
  • Patienten, die nicht gut schlafen, wenn sie das lesen, beachten bitte einfach nur unsere Hinweise zu SARS-CoV-2 und CoVID-2019.
  • Wer ihn noch nicht kennt, mache sich bitte auch mit unserem Praxisbetrieb während der Epidemie vertraut.

Dies ist keine Übung. Dies ist die Pandemie.

  • "Dies ist keine Übung", sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation in der letzten Nacht. "Dies ist nicht die Zeit für Ausreden. Dies ist eine Zeit, in der alle Register gezogen werden müssen."
  • Wie man in China seit Februar 2020 vorgegangen ist, lesen Sie hier.
  • Wir bitten alle Patienten der Kategorien D3, D2 und D1, auf unnötige Reisen und auf Versammlungen mit mehr als 50 Personen sowie auch auf kleinere Versammlungen mit einer Dauer von mehr als 15 Minuten möglichst zu verzichten.
  • Insbesondere für alle unsere in der Infrastruktur tätigen Patienten der Kategorie D1 gilt aber auch: Die Gesellschaft braucht Sie jetzt an Ihrem Arbeitsplatz.
  • Halten Sie sich bei der Umsetzung unserer ärztlichen Empfehlungen bitte immer an Recht und Gesetz.
  • Für Patienten der Kategorie D4 gibt es keine Änderung.
  • Bitte beachten Sie unsere weiteren Hinweise zu SARS-CoV-2 und CoVID-2019.
  • Bitte machen Sie sich auch nochmals mit unserem Praxisbetrieb während der Epidemie vertraut.

SARS-CoV-2-Epidemie: Frankfurt gibt Eindämmung auf

Die Infektionskette des sich weiter ausbreitenden Coronavirus kann nach Ansicht des Leiters des Frankfurter Gesundheitsamtes, Prof. Dr. Rene Gottschalk, nicht mehr unterbrochen werden. „Das ist bei der Vielzahl an Fällen nicht zu leisten“, sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Dies sei aber auch „nicht weiter tragisch, weil die Erkrankung nicht schlimm“ sei.

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die Eindämmung des Coronavirus „machbar und muss höchste Priorität aller Länder bleiben“.

"Ob Konzerte oder Messen stattfinden oder Züge stillstehen, entscheidet nicht der Bund, sondern das örtliche Gesundheitsamt. […] [Die SARS-CoV-2]-Krise offenbart die Schwächen dieses Modells." (Die WELT, 29.02.2020)

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