Intensivmedizin während der Pandemie

Planung und Bettenzahl

Im Krankenhaus geht es um Patienten und natürlich auch um die Anzahl bestimmter Patienten. Bei Bedarfsplanungen spricht man aber immer nur von der benötigten Bettenzahl. Pro Krankenbett kalkuliert man dann einen durchschnittlichen Personalaufwand, zusätzliche Ausstattung und Verbrauchsmaterial.

Bettenbedarf 2020-2023 während der Pandemie

In Normalzeiten (2017) standen uns in Deutschland etwa 28000 Intensivbetten zur Verfügung. In Ihnen behandelten wir pro Jahr etwa 2100000 Patienten. Dies ist in Normalzeiten möglich, denn längst nicht alle Patienten auf Intensivstationen müssen beatmet oder bei Multiorganversagen behandelt werden. Außerdem beträgt die durchschnittliche Liegedauer in Deutschland normalerweise nur wenige Tage. 80% der Intensivbetten waren typischerweise immer belegt.

CoVID-2019-ARDS-Patienten liegen im Durchschnitt 2-3 Monate in ihrem Intensivbett.

Unterstellt man, dass die durchschnittliche Liegezeit während der Pandemie im Vergleich zur Normalzeit nicht verlängert wäre, erhielte man folgende Zahlen:
  • 2020 fehlen uns 4351 Intensivbetten.
  • 2021 werden es 1412 und
  • 2022 werden es 344 sein.

Diese Unterstellung ist natürlich unrealistisch. Es müssen dementsprechend während der Pandemie wesentlich mehr Intensivbetten fehlen. Diese Zahlen sollen ein Problem anschaulich machen. Uns wird ein Vielfaches an Intermediärbetten fehlen. Das RKI rief Mitte März 2020 zur sofortigen Verdopplung der Anzahl der Intensivbetten in Deutschland auf.

Personal für die Intensivmedizin

Auf einer Intensivstation benötigt man
  • Krankenpfleger
  • Fachkrankenpfleger (Intensivmedizin)
  • Physiotherapeuten
  • Ärzte
  • Stationsassistenten
  • Dokumentare
  • Psychologen
  • Medizinisch-technische-Assistenten
  • Reinigungskräfte
  • Lagerverwalter
  • Desinfektoren

Schon Ende der Siebziger des letzten Jahrhunderts nannte die Deutsche Krankenhausgesellschaft als Bedarf an Pflegekräften drei Pflegekräfte pro Bett pro 24 Stunden, wenn mehr als 20% der Patienten auf einer Intensivstation zu beatmen sind.

Sinnvollerweise sollte eine Intensivstation nicht mehr als 14 Betten umfassen. Werden gleichzeitig mehr als diese Anzahl an Patienten versorgt, werden Komplexität und Aufwand zur Fehlervermeidung unsinnig groß.

Pro Schicht benötigt man im Normalbetrieb 2 Ärzte zur Versorgung der 14 Patienten, außerdem 4 Intensivpflegekräfte, 1 Reinigungskraft, 1 Person im Lager, 1 Person zur Dokumentation.

Diese Minimalbesetzung setzt hinreichend viel Personal auf Intermediär- und Normalstationen und im Rettungsdienst voraus, sowie ein zentrales Interventionsteam für Reanimationen oder andere Komplikationen im Regelbetrieb.

Monatelanger Maximalbetrieb ist in dieser Besetzung nur im 3-Schicht-Betrieb möglich. Man nehme die genannten Zahlen mal drei und ergänze sie um zwei Oberärzte und zwei Pflegedienstleitungen zur Koordination. Zur Ausfallsicherung aufgrund nötiger Pausenzeiten, Urlaub und Krankheit benötigt man die Stärke einer zusätzlichen Schicht.

Zur Einarbeitung eines weiteren Arztes nach Abschluss des Studiums und etwa einjähriger Arbeit im Regeldienst sind etwa zwei Monat erforderlich. Dies bindet Kapazitäten beim Oberarzt. Während der Einarbeitungszeit ist die Fehlerhäufigkeit auf der Station erhöht. Die Ausbildung von Intensiv-Pflegekräften auf der Basis der Pflegeausbildung in Deutschland erfordert unter optimalen Bedingungen mindestens ein Jahr.

Personalbedarf während der Pandemie

Unter Pandemie-Bedingungen erhöht sich der Personalbedarf.

Zusätzliche Anforderungen sind jetzt
  • Eigenschutz
  • Sicht- und Bewegungseinschränkungen durch notwendige Schutzkleidung
  • Behinderungen des Personals bei Nahrungs-, und Flüssigkeitsaufnahme und beim Toilettengang
  • Stress wegen der eigenen Gefährdung und der Sorge um eigene Angehörige
  • verlängerte Transportzeiten
  • Knappheit an Medikamenten und Verbrauchsmaterial

Pro Schicht benötigt man im Pandemiebetrieb 3 Ärzte zur Versorgung der 14 Patienten, außerdem 6 Intensivpflegekräfte, 1 Reinigungskraft, 1 Person im Lager, 1 Person zur Dokumentation, 1 Person zur Bürokommunikation

Mit hinreichend viel Personal auf Intermediär- und Normalstationen und im Rettungsdienst wird nicht mehr zu rechnen sein. Ein zentrales Interventionsteam für Reanimationen oder andere Komplikationen wird für CoVID-2019-Stationen nicht zur Verfügung stehen.

Erforderlich ist wiederum monatelanger Maximalbetrieb im 3-Schicht-Betrieb möglich. Man nehme die genannten Zahlen mal drei und ergänze sie um zwei Oberärzte zur Koordination. Zur Ausfallsicherung aufgrund nötiger Ruhezeiten und von Krankheit benötigt man die Stärke von zwei bis drei zusätzlichen Schichten.

Urlaub entfällt. Etwa 10% des Personals wird alle drei Wochen infiziert. Infizierte Ärzte und erkrankte Ärzte mit nur geringen Symptomen, Pflegekräfte analog, ruhen und schlafen außerhalb ihrer Schichten in Unterkünften neben dem Krankenhaus. Sie werden nur noch auf Intermediär-Stationen und im Aufnahmebereich eingesetzt.