SARS-CoV-2 in China

China und wir

Die ersten Wochen der SARS-CoV-2-Epidemie in Wuhan waren für China gewiss kein Ruhmesblatt. An den Folgen der Nachlässigkeit und der Fahrlässigkeit dieser Tage hatte zuerst China selbst zu leiden. In den nächsten Jahren leidet daran die gesamte Welt.

Seit Februar 2020 wird die Epidemie in China selbst aber außerordentlich erfolgreich bekämpft.

Was China im Februar 2020 tat, wird auch in Deutschland helfen, wenn wir
  • schnell sind,
  • Geld investieren,
  • Phantasie haben,
  • und politischen Mut.

Eindämmung der Epidemie

Zuerst wurde in China sichergestellt, dass jeder Bürger einige Grundlagen kennt:
  • Wascht Euch die Hände! Wie geht das richtig?
  • Gebt einander die Hände nicht.
  • Denkt an die Symptome! Welche sind das denn?

Alle Menschen wurden überprüft. Um sporadische Fälle zu finden, wurden überall Fieberkontrollen durchgeführt. Sogar Autos auf Autobahnen hielt man an, um wirklich sicher zu gehen.

Sobald man Cluster fand, schloss man Schulen, Theater und Restaurants.

Nur Wuhan und die Städte in seiner Umgebung wurden komplett abgeriegelt. Auch daraus können wir lernen. Wenn wir am Anfang zu zögerlich sind, haben wir rasch ein Seuchenproblem.

Etwa die Hälfte der medizinischen Versorgung verlegte man ins Internet. Menschen sollten sich nicht in Behandlungszentren aufhalten, wenn dies sachlich unnötig war. Ärzte wurden also online kontaktiert. Benötigte Rezepte wurden online verschrieben und anschließend per Post an den Patienten versandt.

Bei Verdacht wurde man in eine dezidierte Fieberklinik geschickt. Fieberklinik wurden Krankenhäuser genannt, deren ausschließliche Aufgabe die Bekämpfung der Corona-Epidemie war.

Dort wurde die Temperatur der Patienten gemessen, Symptome und Anamnese wurden erfasst. Man fragte, wohin man gereist war und wie man mit Infizierten in Kontakt gekommen war.

Im Verdachtsfall wurde man dann regelrecht durch Computertomographen gejagt.

Mit jeder dieser Maschinen hat man etwa 200 Untersuchungen pro Tag durchgeführt, Dauer: fünf, zehn Minuten pro Scan. Manchmal wurden sogar nur Teilscans durchgeführt. Zum Vergleich: Ein typisches Krankenhaus in Deutschland führt ein oder zwei CT-Untersuchungen pro Stunde durch.

Auf konventionelle Röntgenaufnahmen verzichtete man. Ergebnisse konventionellen Röntgens waren allzu häufig falsch negativ. Ein Computertomogramm zeigt die "Milchglas-Trübungen", nach denen man sucht.

Erst nach der CT-Diagnose CoVID-2019 wurde ein Abstrich gemacht. Für die PCR brauchte man bald nur noch vier Stunden. Die Fieberklinik verlassen durfte man nur mit unauffälligem CT und mit negativem PCR-Test.

90% aller nachgewiesenermaßen an SARS-CoV-2 Erkrankten hatten Fieber, 70% trockenen Husten, 30% allgemeines Unwohlsein oder Atembeschwerden. Nur 4% litten unter laufenden Nasen.

Hatte das CT die Diagnose erbracht oder war der PCR-Test positiv ausgefallen, wurde man isoliert. Mit leichten Symptomen kam man in ein Isolationszentrum. Dies war zumeist eine umgerüstete Sporthalle oder ein Stadion mit bis zu 1.000 Betten. Wer schwer oder kritisch krank war, kam direkt in ein Krankenhaus. Auch jeder, der an anderen Krankheiten litt oder über 65 Jahre alt war, kam auch bei leichten Beschwerden direkt in ein Krankenhaus.

In Wuhan reduzierte man die Dauer dieses Weges vom Verdacht über die Diagnose zum Krankenhaus oder zum Isolierzentrum von anfangs 15 auf schließlich 2 Tage Mitte Februar 2020.

Dies ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte und es ist, ohne Frage, für die chinesischen Kollegen und ihre Behörden ein Grund zu großem Stolz.

Schulunterricht und Studium

Nicht zu vergessen ist, dass man auch Schulen und Universitäten geschlossen hat. Unterricht erfolgte trotzdem. Der Mischkonzern Alibaba hatte zu diesem Zweck seine Konferenz-Software Dingtalk auf die Erfordernisse von Online-Unterricht angepasst.

Kontrolle und Überblick

Alibaba war auch für eine andere wichtige App verantwortlich: Ant Financial, den Nachfolger von Alipay. Diese App bestimmte aus vielerlei Daten jedes Nutzers seine persönliche aus drei Risikoklassen und stellte diese in Rot, Gelb oder Grün auf dem Mobiltelefon seines Besitzers dar. Grüne Farbe signalisierte einen gesunden Benutzer mit grundsätzlich völliger Bewegungsfreiheit. Gelb kennzeichnete die Auflage einer sieben Tage langen Isolation. Rot stand für die Pflicht zur vierzehntägigen Isolation. Da den Behörden Farbklasse und Bewegungsprofil jedes Nutzers mitgeteilt wurde, war auch den Gesundheitsbehörden in China jederzeit klar, wo Infizierte oder der Infektiösität Verdächtigte jeweils zu finden sind. Die App fand rasch weite Verbreitung. Zum einen wurde schlicht festgehalten, wer sie in einer Polizeikontrolle oder beim Betreten eines Supermarkts nicht vorweisen konnte, zum anderen mögen die meisten Chinesen aus Gründen, die ich hier nicht erläutere, solche Apps.

Nach meiner Kenntnis Chinas ist dieser Teil der Epidemie-Bekämpfung in Deutschland nicht umsetzbar. Dabei spreche ich nicht über unsere deutschen Bedürfnisse nach Privatsphäre oder Datenschutz. Wir verfügen derzeit gar nicht über die digitale Infrastruktur und die Datenbasis zur Generierung solcher Apps. So müssen wir das aber auch gar nicht tun.

Eine App, die auf freiwilliger Basis Daten zur Kontaktverfolgung bereitstellte, wurde ab März 2020 in
Österreich eingesetzt.