Schutzimpfungen als Mittel gegen die Pandemie

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Solange es keinen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 gibt, wird die durch dieses Virus ausgelöste Pandemie nicht beendet sein. Im April 2020 standen 95 Impfstoff-Kandidaten bereit. Dies wird zu bestenfalls neun verschiedenen Impfstoffen führen. Im Schnitt überstehen nur 10% aller Wirkstoffe aus klinischen Studien die Schritte 1 bis 8 im neunstufigen Impfstoff-Entwicklungs-Prozess. Der Rest versagt auf die eine oder die andere Art:
  • Er ist nicht wirksam.
  • Er ist nicht besser als Vorhandenes.
  • Zu viele unerwünschte Wirkungen treten auf.
Im Schnitt hat man zur Entwicklung der bisherigen Impfstoffe weit mehr als ein Jahrzehnt gebraucht:
  • Varizellen-Impfstoff: Entwicklungsdauer bis zum Vertrieb: 28 Jahre
  • Influenza-Vakzine: 28 Jahre
  • HPV-Impfung: 15 Jahre
  • Rotaviren-Schutzimpfung: 15 Jahre
  • Kombinationsimpfstoffe mit Zulassung bei Kindern: 11 Jahre
Wenn uns also bereits 2021 oder 2022 Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zur Verfügung stehen, haben wir ungewöhnlich großes Glück. Es erfordert die Entwicklung einer Schutzimpfung in Pandemie-Geschwindigkeit.

Impfstoff-Projektmanagement

Die Erzeugung von Impfstoff lässt sich in neun Phasen gliedern:

  1. Grundlagenforschung
  2. präklinische Versuche
    • Erzeugung einer stabilen pharmazeutischen Form
    • Bau einer Testfabrik zur Herstellung der Impfdosen für die klinischen Versuche der Phasen 1-3
    • präklinische Sicherheitstests
  3. klinische Versuche: Phase 1
    • Test an wenigen Dutzend Probanden
    • Ende für 37% aller Kandidaten
  4. klinische Versuche: Phase 2
    • Test an einigen hundert Probanden
    • Ende für 69% der verbliebenen Kandidaten
  5. klinische Versuche: Phase 3
    • Test an mehreren tausend Probanden
    • Ende für 42% der übrigen Kandidaten
  6. Bau spezifischer Fabriken zur Massenproduktion
  7. Zulassung durch Aufsichtsbehörden
    • 15% der bis hier aktuellen Kandidaten scheiden aus.
  8. Herstellung des Impfstoffs
  9. Vertrieb

Entwickler und Produzenten

CanSino und A.M.M.S
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-03

Moderna
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-03

BioNTech und Pfizer
  • Typ: mRNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-04

Inovio Pharmaceuticals
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-04

Sinovac
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-04

Wuhan Institute und Sinopharm
  • Typ: konventionell
  • Beginn von Phase 1: 2020-04

University of Oxford
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-05

Imperial College
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-05

Novovax
  • Typ: konventionell
  • Beginn von Phase 1: 2020-05

Curevac
  • Typ: konventionell
  • Beginn von Phase 1: 2020-06

Sanofi und GlaxoSmithKline

Vaxart
  • Typ: konventionell
  • Beginn von Phase 1: 2020-07

Altimmune
  • Typ: konventionell
  • Beginn von Phase 1: 2020-08

Janssen
  • Typ: RNA/DNA
  • Beginn von Phase 1: 2020-09

Grundlage für von Impfstoff gegen SARS-CoV-2

SARS-CoV-2 ist nicht völlig neu. Es weist 80% genetische Übereinstimmung mit SARS-CoV-1 auf. Beide Typen nutzen das gleiche Spike-Protein. Das machte die Entwicklung des ersten PCR-Tests auf SARS-CoV-2 vergleichsweise leicht.

mRNA-Impfstoffe

Die meisten Impfstoffe werden mittels abgeschwächter oder inaktivierter Viren hergestellt. Der menschliche Körper lernt sie als fremd kennen und er entwickelt im besten Fall mehr oder weniger wirksame Antikörper gegen sie.
Impfstoffe aus mRNA verlegen die klassische Impfstoffherstellung in den Mensch. Injiziert wird Information, welche uns Menschen zur Herstellung exakt jener Virusbestandteile bewegt, die von ihren Erforschern zur Auslösung einer Immunantwort auf das Virus bestimmt worden sind. Die nötigen Schritte sind seit Jahrzehnten bekannt.
mRNA-Impfstoffe lassen sich theoretisch wesentlich schneller und einfacher herstellen als konventionelle Vakzine. Es gab sie allerdings noch nie. mRNA ist instabil. Es ist unklar, wieviel der injizierten mRNA ihre Zielzellen überhaupt erreicht. Die Prüfung der Neulinge wird vergleichsweise lange dauern. Das große Risiko ist, dass keiner der mRNA-Kandidaten von den Behörden zugelassen werden wird.

BCG-Impfstoff

Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin hat den bislang einzigen Impfstoff gegen Tuberkulose gentechnisch verändert. Das Produkt heißt VPM1002, benannt nach der Vakzine Projekt Management GmbH in Hannover.
Der Impfstoff Bacille Calmette-Guérin (BCG) wurde in den 1920er Jahren von den französischen Wissenschaftlern Albert Calmette und Camille Guérin entwickelt. Er enthält den abgeschwächten Erreger der Rinder-Tuberkulose.
Man sagt ihm eine allgemeine Aktivierung des Immunsystems gegen allerlei Fremdes nach. Der BCG-Impfstoff hat seine Chance, solange es noch keinen spezifischen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 gibt.

Herstellung

Dass es eines Tages einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 geben könnte heißt nicht, dass er für jeden Mensch dieser Erde verfügbar wird. Ein Hersteller aus Ihrem Land muss als erster über die Ziellinie gehen. Außerdem muss dieser Erste seine spezifischen Produktionslinien errichtet haben, bevor der zweite Sieger damit fertig ist. Nur dem Allerersten werden unbegrenzt alle Vorprodukte zur Massenherstellung seines Impfstoffs verkauft.
Milliarden von Impfdosen gegen SARS-CoV-2 werden gebraucht. Daneben werden weiterhin Jahr für Jahr Millionen von Impfdosen gegen Mumps, Masern, Tetanus oder Influenza herzustellen sein.
Das geht nicht in jeder Fabrik. Manche Impfstoffe werden in Hühnereiern vermehrt, andere in Zellkulturen. Zwischenprodukte müssen gereinigt, Endprodukte manchmal inaktiviert werden.
Solche Fabriken sind strengen Richtlinien unterworfen. Impfstoff-Fabriken sind etwa dreimal so teuer wie andere Fabriken der pharmazeutischen Industrie. Etwa fünf Jahre braucht man normalerweise für ihren Bau. Zeit ließe sich gewinnen, wenn man mit dem Bau spezifischer Fabriken parallel zu Phase 2 der klinischen Versuche beginnt. Aber jeder weiß: 90% des eingesetzten Geldes wird dabei ohne Aussicht auf Wiederkehr verbrannt. Höchstens 10% der Impfstoffkandidaten erreichen ihr Ziel.
Die Stiftung von Melinda und Bill Gates hat angekündigt, sieben solcher Fabriken mit vollem Verlustrisiko hochzuziehen. Werden am Ende zwei von ihnen eingesetzt, rechnet es sich.
Was auf die Sieger im Wettbewerb zukommt, gleicht immer noch einem unüberwindlichen Berg. Milliarden Portionen des Impfstoffs müssen auf den Nanoliter genau in ebensoviele Glasbehälter gefüllt werden. Dies alles muss trotz der nie erprobten Dimension stets gleichbleibend und hochkontrolliert geschehen.

Zulassungsverfahren

Das behördliche Zulassungsverfahren entspricht weder einer Lappalie, noch ist es Ausdruck von Bürokratie. Es soll sicher stellen, dass die Berichte der klinischen Studien korrekt sind und dass der Impfstoff genau so wirkt, wie es sein Hersteller verspricht. Tausende Impfgegner erinnern uns täglich an Skandale wie jenen der schlampig verfertigten Polio-Impfstoffe der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Da war nicht alles tot. Lebende Polio-Erreger wurden abgefüllt. Viele Menschen erkrankten. Etliche Kinder starben.

Vertrieb

Jede Dosis muss mit Begleitpapieren verpackt, gelagert, verfrachtet und ausgeliefert werden. Milliardenfach. Jeder Einzelschritt bringt eigene Probleme mit.
Da wäre die Kühlkette. Impfstoffe haben vermutlich Millionen von Leben auf der ganzen Welt gerettet, aber sie verderben, wenn sie nicht kühl gelagert werden. Was passiert bei einem Stromausfall?
Wagen Sie es, sich diesen in Hochgeschwindigkeit entwickelten Impfstoff injizieren zu lassen? Denken Sie nicht, Sie seien schon dran! Millionen von Menschen könnten vor Ihnen in der Warteschlange stehen. Die ersten 500000 Impflinge werden ein Objekt auf der Lernkurve der Impfforschung sein. Das Lehrgeld wird diesmal mit Menschenleben bezahlt.

Was, wenn es niemals einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 gibt?

Was aber machen wir, wenn sich herausstellt, dass die Vakzine gegen SARS-CoV-2 nichts verbessern? Was, wenn eine Infektion durch sie sogar erleichtert oder CoVID-2019 durch sie sogar verschlimmert wird? Es gibt Beispiele für diese Probleme. Es gibt bis heute keine Impfstoffe gegen:
  • Dengue
  • Hepatitis C
  • HIV (wenige Studien bis Phase 3, ein Impfstoff, der zur Verschlechterung führte, einer mit einer Erfolgsrate von nur 30%)
Allzu schnell findet man das nicht heraus. Man muss abwarten, ob sich ein Geimpfter an SARS-CoV-2 infiziert. Man kann ihn schlecht absichtlich infizieren, nachdem er geimpft worden ist.
Was, wenn zuerst alles gut aussieht? Die Aufsichtsbehörden könnten den Pandemie-Einsatz eines erfolgreichen Impfstoffs an Ärzten und Pflegekräften rasend schnell genehmigen – und katastrophale Folgen erst später sehen. Die Forscher aus Oxford kündigten die Möglichkeit solch eines Noteinsatzes bereits für September 2020 an.
Von Biotech-Unternehmen lesen wir derzeit, wie einfach und wie schnell die Impfstoff-Herstellung mit ihnen gehen wird. Die Zeitungen berichten darüber jeden Tag. Das hat mit der Krise des Journalismus zu tun. Lancierte Berichte und bestellte Interviews sollen Geldgeber zur Investition in die teure Impfstoff-Entwicklung bewegen. Aktionäre sollen glauben, ihr bereits vergebenes Geld sei gut investiert. Mit wirklichen Nachrichten an echte Patienten haben solche Artikel nichts zu tun.
Zuversicht gibt, dass SARS-CoV-2 wenig Interesse am Mutieren zeigt. Aus der HIV-Tragödie haben wir gelernt, dass man sich im Zweifel auch ohne Impfstoff mit einem Erreger arrangieren kann.

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